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Parlamentarischer Abend des CSC Berlin e. V.

Vom Gesetz zur Praxis: Wie kann Berlin die Umsetzung des KCanG weiterentwickeln?

Am 8. September 2026 lädt der CSC Berlin e. V. Vertreter:innen aus Politik, Verwaltung, Anbauvereinigungen und Fachverbänden zu einem parteiübergreifenden Parlamentarischen Abend ein.

Mehr als zwei Jahre nach Inkrafttreten des Konsumcannabisgesetzes wollen wir gemeinsam Bilanz ziehen: Wie funktioniert die Umsetzung des KCanG in Berlin tatsächlich? Wo bestehen weiterhin rechtliche, administrative, bauliche oder praktische Hürden? Und welche dieser Probleme kann Berlin in der kommenden Legislaturperiode auf Landes- oder Bezirksebene selbst angehen?

Der Parlamentarische Abend versteht sich ausdrücklich als Fachdialog zwischen Praxis, Verbänden, Politik und Verwaltung. Es geht weder um eine erneute Grundsatzdebatte über das Für und Wider der Entkriminalisierung noch darum, fertige Lösungen vorzugeben. Vielmehr wollen wir die Erfahrungen derjenigen zusammenbringen, die seit 2024 unmittelbar mit der Umsetzung des KCanG befasst sind, und gemeinsam darüber sprechen, welche Schlussfolgerungen daraus für die kommenden Jahre gezogen werden können.

Die Erfahrungen der Anbauvereinigungen bilden den Ausgangspunkt

Im Mittelpunkt stehen zunächst die Anbauvereinigungen aus Berlin und Brandenburg.

Sie haben in den vergangenen zwei Jahren extremst komplexe Genehmigungsverfahren durchlaufen, geeignete Standorte gesucht, baurechtliche Fragen klären müssen, Anbau-, Sicherheits- und Präventionskonzepte entwickelt und die gesetzlichen Anforderungen an gemeinschaftlichen Eigenanbau, Abgabe, Dokumentation sowie Jugend- und Gesundheitsschutz praktisch als erste umgesetzt.

Ihre Erfahrungen sollen den Ausgangspunkt des Abends bilden:

Was hat funktioniert? Wo entstanden unnötige Verzögerungen? Welche Anforderungen waren schwer planbar? Wo bestehen unterschiedliche Auslegungen oder Zuständigkeiten? Und welche Hindernisse bestehen auch nach einer erteilten Erlaubnis weiter?

Dabei soll es nicht darum gehen, einzelne Behörden oder Entscheidungen zu bewerten. Entscheidend ist die übergeordnete Frage, was aus den Erfahrungen der ersten beiden Jahre gelernt werden kann und wie aus bisherigen Einzel- und Pionierlösungen verlässlichere Regelstrukturen entstehen können.

Für den Parlamentarischen Abend erwarten wir acht bis zehn genehmigte Anbauvereinigungen aus Berlin sowie drei bis fünf genehmigte Anbauvereinigungen aus Brandenburg mit Abgabestrukturen in Berlin. Damit sollen die praktischen Erfahrungen unterschiedlicher Genehmigungs- und Betriebsmodelle unmittelbar in den Fachdialog einfließen.

Was kann Berlin selbst verändern?

Nicht jedes Problem des KCanG lässt sich auf Landesebene lösen. Gleichzeitig bestehen bei der konkreten Umsetzung erhebliche Handlungsspielräume für das Land Berlin und seine zwölf Bezirke.

Deshalb wollen wir gemeinsam mit Politik, Verwaltung, Anbauvereinigungen und Fachverbänden unter anderem über Genehmigungsverfahren und Digitalisierung, baurechtliche Fragen, geeignete Standorte und Flächen, die Zusammenarbeit unterschiedlicher Behörden sowie Transparenz und Datenerhebung sprechen.

Dabei interessiert uns insbesondere:

Welche Veränderungen sind innerhalb des bestehenden Bundesrechts in Berlin möglich? Was kann die Verwaltung selbst verbessern? Wo braucht es politische Entscheidungen des Senats, des Abgeordnetenhauses oder der Bezirke? Und wie können bestehende Hürden so abgebaut werden, dass legale Strukturen künftig verlässlicher und schneller entstehen können?

Legale Bezugsstrukturen allein reichen nicht

Zu einer funktionierenden Cannabispolitik gehört aus unserer Sicht aber noch eine zweite Frage.

Das KCanG regelt inzwischen sehr detailliert, wo Cannabis nicht konsumiert werden darf. In einer dicht besiedelten Stadt wie Berlin stellt sich deshalb zunehmend auch die umgekehrte Frage:

Wo können erwachsene Menschen legal, verantwortungsvoll und möglichst konfliktarm konsumieren?

Beim Parlamentarischen Abend wollen wir deshalb nicht nur über Verbots- und Abstandsregelungen sprechen, sondern auch darüber, ob und wie Berlin geeignete Konsumbereiche sowie geschützte, nichtkommerzielle Cannabis-Community- und Konsumräume ermöglichen kann.

Dabei geht es um Modelle, die Jugend- und Gesundheitsschutz, Prävention, Konsumkompetenz und Nachbarschaftsverträglichkeit miteinander verbinden. Auch die Perspektive, in den kommenden Jahren mindestens einen geeigneten Community- und Konsumort in jedem Berliner Bezirk zu ermöglichen, soll Gegenstand dieses Fachdialogs sein.

Bundesweite Expertise trifft Berliner Praxis

Die Erfahrungen mit der Umsetzung des KCanG enden nicht an der Berliner Landesgrenze. Anbauvereinigungen und ihre Interessenvertretungen haben in den vergangenen zwei Jahren bundesweit Erfahrungen mit Genehmigungsverfahren, Baurecht, behördlichen Anforderungen und dem praktischen Aufbau gemeinschaftlicher Anbaustrukturen gesammelt.

Deshalb haben wir bewusst die bundesweit tätigen Fach- und Interessenvertretungen eingeladen. Ihre Erfahrungen sollen mit denen der Berliner und Brandenburger Anbauvereinigungen zusammengeführt werden.

Ihre Teilnahme bereits zugesagt haben:

  • Jana Halbreiter von der Green Leaf Society (erste Anbauvereinigung in Berlin) und dem CAD – Cannabis Anbauvereinigungen Deutschlands e. V.
  • Lorenz Minks für die BCAv – Interessenvertretung der Cannabis-Anbauvereinigungen innerhalb des Branchenverbandes Cannabiswirtschaft e. V.
  • Andreas Gerold für den Cannabisverband Deutschland (CVD)
  • Maximilian Plenert, Geschäftsführer von LEAP Deutschland e. V. und mehrfacher Einzelsachverständiger im Gesundheitsausschuss des Deutschen Bundestages. Er wird insbesondere die Perspektive von Patient:innen sowie Fragen des Gesundheits- und Verbraucherschutzes, der Prävention und einer verantwortungsvollen Cannabispolitik in den Fachdialog einbringen.

Rechtliche Einordnung: Wo kann Berlin tatsächlich handeln?

Eine besondere Rolle kommt der juristischen Einordnung der aufgeworfenen Fragen zu.

Dr. Marcus Geschwandtner, Rechtsanwalt und Mitherausgeber des aktuellen Rechtskommentars im Beck-Verlag zum KCanG und MedCanG, hat seine Teilnahme zugesagt. Er wird insbesondere einordnen, welche Rahmenbedingungen durch das Bundesrecht vorgegeben sind, wo Berlin eigene rechtliche und administrative Handlungsspielräume besitzt und auf welcher Ebene mögliche Veränderungen ansetzen können.

Die rechtliche Einordnung soll dabei nicht losgelöst von der Praxis erfolgen. Sie soll unmittelbar an den Erfahrungen und Fragestellungen der Anbauvereinigungen und Verbände ansetzen: Was ist tatsächlich bundesrechtlich vorgegeben – und was könnte Berlin durch Verwaltungspraxis, landesrechtliche Regelungen oder politische Entscheidungen anders gestalten?

Politik und Verwaltung im gemeinsamen Fachdialog

Auf dieser Grundlage wollen wir anschließend mit Vertreter:innen aus Landes- und Bezirkspolitik sowie Verwaltung darüber sprechen, welche Schlussfolgerungen aus den Erfahrungen der vergangenen zwei Jahre gezogen werden können.

Aus der Berliner Landespolitik haben bislang zugesagt:

  • Niklas Schrader MdA (Die Linke), Parlamentarischer Geschäftsführer und Sprecher für Innenpolitik
  • Mit Sebastian Bayer wird zudem die LAG Drogenpolitik der Linken vertreten sein
  • Vasili Franco MdA (Bündnis 90/Die Grünen), Sprecher für Innen- und Drogenpolitik

Weitere Vertreter:innen aus Landes- und Bezirkspolitik sind eingeladen beziehungsweise befinden sich noch in Abstimmung sowie auch das für die Erlaubniserteilung der Anbauvereinigungen zuständige Landesamt für Gesundheit und Soziales (LAGeSo). Konkrete Vertreter:innen sind derzeit noch nicht benannt.

Damit soll bewusst keine klassische Podiumsrunde mit vorbereiteten politischen Statements entstehen. Die Erfahrungen der Anbauvereinigungen treffen auf die bundesweite Verbandsperspektive und juristische Expertise. Politik und Verwaltung sollen anschließend mit diesen Erfahrungen in den direkten Austausch kommen.

Was soll der Parlamentarische Abend erreichen?

Wir erwarten nicht, dass an einem Abend sämtliche offenen Fragen der Berliner KCanG-Umsetzung gelöst werden.

Der Anspruch ist ein anderer:

Wir wollen Praxiswissen, bundesweite Verbandserfahrung, rechtliche Expertise, Verwaltungserfahrung und politische Verantwortung an einen Tisch bringen.

Der Parlamentarische Abend soll sichtbar machen, wo nach mehr als zwei Jahren weiterhin strukturelle Probleme bestehen, welche unterschiedlichen Perspektiven darauf existieren und wo konkrete Handlungsspielräume und Nachsteuerungsbedarf für Berlin bestehen.

Dabei geht es um Genehmigungen und Baurecht ebenso wie um geeignete Flächen, funktionierende legale Bezugsstrukturen, Jugend-, Gesundheits- und Verbraucherschutz, Prävention und die Frage, wie Berlin künftig nicht nur Verbotsbereiche definiert, sondern auch einen rechtssicheren und nachbarschaftsverträglichen Umgang mit legalem Cannabiskonsum ermöglicht.

Wir wollen keine fertigen Antworten vorgeben. Vielmehr soll der Parlamentarische Abend einen fundierten, partei- und verbandsübergreifenden Fachdialog darüber ermöglichen, wie sich die Umsetzung des KCanG in der kommenden Berliner Legislaturperiode von der bisherigen Aufbau- und Einzelfallphase zu verlässlicheren und dauerhaft tragfähigen Strukturen weiterentwickeln kann.

Denn wenn legale Bezugsstrukturen einen relevanten Beitrag zu einem wirksamen Jugend- und Verbraucherschutz, zur Zurückdrängung des Schwarzmarktes sowie zur Entstigmatisierung und Entkriminalisierung von Konsument:innen leisten sollen, müssen sie nicht nur gesetzlich vorgesehen sein. Sie müssen in der Praxis entstehen können, funktionieren, erreichbar und sichtbar sein. Und eine verantwortungsvolle Cannabispolitik muss neben dem legalen Bezug auch die Realität des legalen Konsums mitdenken.


Der Parlamentarische Abend ist eine Fachveranstaltung des CSC Berlin e. V. und des Netzwerkes der Berliner und Brandenburger Anbauvereinigungen und richtet sich an eingeladene Vertreter:innen aus Politik, Verwaltung, Anbauvereinigungen, Fach- und Interessenverbänden sowie juristischer und weiterer Fachpraxis. Die Teilnehmer:innenübersicht wird bis zur Veranstaltung fortlaufend aktualisiert.

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