Cannabis und ADHS übersteigt den Horizont der Offiziellen in Deutschland

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In Deutschland sind Cannabisblüten laut amtlicher Beschreibung eine Pflanze mit genau zwei relevanten Inhaltsstoffen: THC und CBD. Für viele Erkrankungen stellen diese beiden Wirkstoffe ein Großteil der Wirkung und Nebenwirkungen. Bei bestimmten Diagnosen und Patienten spielen jedoch die weiteren Inhaltsstoffe eine wichtige Rolle. ADHS ist eine der Diagnosen bei der sich die Unterschiede zwischen den Cannabis-Sorten besonders deutlich zeigen

Für einen Menschen mit einer Angststörung oder psychotischen Erfahrungen sind Cannabisblüten mit mehr CBD als THC eine bessere Wahl. Aber ebenso würde man auf der Achse Sativa – Hybrid – Indica einer solchen Person eher eine Indica-Sorte empfehlen, da die Inhaltsstoffe von Sativa-Sorten eher wie THC psychoaktiv-high wirken. Ebenso verursachen Indica-Sorten eher CBD-ähnliche Effekte wie einen dämpfenden anti-psychotischen Rausch. Auf der anderen Seite ist bei Depressionen Vorsicht bezüglich Indica-Sorten angezeigt Für diese Patientengruppe ein ist zusätzlicher “Couchpotato”-Effekt eine unerwünschte Nebenwirkung, die das Krankheitsbild eher verschlechtern kann.

Welche Cannabis-Sorten sind für ADHS-Patienten die richtige Wahl?

Für mich als ADHS-Patienten spielt die genaue Sorte einer immer größere Rolle. Für mich wären beispielsweise 3 Sorten eine gute Grundausstattung:
Eine kräftige Sativa-Sorte wie Bedrocan kann ähnlich wie Methylphenidat bei ADHS Patienten eine bestimmte Wachheit und Klarheit erzeugt. Ähnlich wie Methylphenidat ist es nur bedingt als Dauermedikamentation geeignet.
Als zweite Sorte wie Bedica könnte für eine gewisse Beruhigung sorgen und bei der Impulskontrolle helfen, im Idealfall ohne Müde zu machen.
Eine dritte Sorte, die unter den anderen starken Indica-Sorten zu suchen wäre, wäre dann ein drittes Mittel zum Runterkommen und als Einschlafhilfe.
Im Alltag sind dann mehr oder weniger satte Hybride eine gute flexible Option.
Für eine optimale Therapie von ADHS mit Cannabis sind diese Effekte jenseits von THC höchst relevant. Dumm nur dass diese in der offiziellen Logik gar nicht existieren.

Wenn es eine Ausschreibung für medizinischen Alkohol gegeben hätte

Das bestimmte Sorten bzw. Gruppen an Sorten unterscheidbar sind, sei es über den Geruch, Aussehen oder Wirkung, ist für sie evident. Folgendes Gedankenexperiment soll das Kommunikationsproblem verdeutlichen, dass entsteht wenn Ärzte und Offizielle nur von THC und CBD sprechen, während Patienten und Konsumenten sehr vielfältige Erfahrungen machen.

In der offiziellen Ausschreibung für den Anbau von Medizinalcannabis in Deutschland werden drei Typen Cannabis beschrieben:

  • Typ 1 THC Gehalt 18 bis 22 Prozent, kein CBD
  • Typ 2 THC Gehalt 12 bis 16 Prozent, kein CBD sowie
  • Typ 3 THC und CBD jeweils zwischen 5 und 9 Prozent.

Alleine schon Cannabis mit einem THC zu CBD Verhältnis von 9 zu 5 und eines mit 5 zu 9 sind zwei unterschiedliche Medikamente. Man stelle sich nun einmal vor der Staat hätte Medizinalalkohol anstelle von Medizinalcannabis ausgeschrieben.

Die Hersteller von Medizinalalkohol Typ 1 könnte damit entweder Portwein, Likör, Wermut oder Magenbitter anbieten. Jede Charge könnte etwas anderes beinhalten – Hauptsache der Ethanolgehalt liegt zwischen 18 und 22 Prozent. Typ 2 reicht dann von Burgunder, Champagner, Met bis Sake. Typ 3 könnten unterschiedliche Biertypen sein, Altbier, Kölsch, Doppelbock oder Weizen – alles die gleiche Kategorie.

“Nun sag, wie hast du’s mit den unterschiedlichen Sorten?”

So relevant die genaue Sorte für den einzelnen Patienten sein kann, Informationen wird man in Deutschland von kaum einen Arzt oder Apotheker erhalten. Dabei gibt es beispielsweise in den USA schon einen langjährigen Erfahrungsschatz. Seit 1996 kann in Kalifornien legal Cannabis als Medizin angebaut werden. Dort ist man uns mit 20 Jahre praktische Erfahrungen von Patienten, Ärzte, Caregiver und Dispensaries voraus. Über Onlineangebote wie leafly können Patienten weltweit ihre Erfahrungen sammeln. Das sind sicherlich keine harten Daten wie aus einer klinischen Studien. Sie können uns aber die richtigen Hinweise liefern worauf man achten sollte. Über den gemeinsamen Erfahrungsschatz bekommen Namen wie Kush, Skunk oder Haze eine bestimmte Aussagekraft bezüglich Eigenschaften oder Inhaltsstoffen. Leider gibt es in den USA, Kanada oder den Niederlanden leider kaum Forschung zu diesen Fragen.

Die ADHS-Terpinolen-Connection

Ein Beispiel für einen relativ bekannten Zusammenhang bieten die Terpinolen-reichen Cannabis-Sorten, die bei ADHS helfen. Die Sorte Bedrocan soll ihren Ursprung in der Sorte Jack Herer der Samenbank Sensi haben. Diese Sorte war Sieger bei einem Cannabis-Wettbewerb in den Niederlanden. Deswegen ist davon auszugehen, dass etwas was in einem niederländischen Coffeeshop Jack Herer heißt, vom Geruch und von der Wirkung dem “Original” ähnlich sein.

Die Sorte Bedrocan hilft vielen ADHS-Patienten. Andere beliebte illegale Sorten sind Jack Herer sowie Super Silver Haze und bestimmte Amnesia Varianten. Alle illegale Sorten haben nach den einschlägigen Berichten den gleichen genetischen Ursprung. Auf einer weiteren Ebene wurde in allen Sorten, sowohl den illegalen als auch der Sorte Bedrocan das seltene Terpen Terpinolen gefunden. Durch dieses Terpen unterscheidet in mehreren Analysen diese Sorten von allen anderen Sorten.

Auch wenn die Zusammenhänge zwischen ADHS und Terpinolen noch völlig unklar sind, die Übereinstimmung von Terpenprofilen, Genetiken, Geruch und beschriebener Wirkung einiger Cannabis-Sorten speziell bei ADHS ist kaum ein Zufall.

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